Geschrei, quer treibende Boote, gegenseitige Beschimpfungen und Vorwürfe. Solche Szenen sieht man häufig an den Stegen der Marinas während der Anlegemanöver. Die engen Platzverhältnisse, der Windeinfluss auf das sich sehr langsam bewegende Boot und die Angst vor Schäden erzeugen oft einen Angstzustand, der über das gerechtfertigte Maß hinausgeht und die Fehlerwahrscheinlichkeit erhöht. Zusätzlich übt die weit verbreitete Überzeugung, dass man einen guten Seemann an seinen Hafenmanövern erkennt, weiteren Druck auf unseren Stolz aus. Unabhängig von den zurückgelegten Seemeilen kann also ein misslungenes Anlegemanöver unseren Ruf für Jahre schädigen. Aus diesem Grund haben wir uns, basierend auf den vielen Szenen in unserem Yachthafen in Genua, dazu entschlossen, einige wertvolle – wenn auch grundlegende – Tipps für ein fehlerfreies Anlegemanöver zu geben. Viel Spaß beim Lesen!
Kein Anlegemanöver gleicht dem anderen
Natürlich ist es möglich, unzählige Male am selben Liegeplatz anzulegen. Doch jedes Anlegemanöver ist in Wirklichkeit anders, da sich Faktoren wie Wind, Wellen, Müdigkeit, Gewichtsverteilung, die Position des benachbarten Bootes und die Lichtverhältnisse ändern.
Alle Arten des Anlegens, um längsseits am Kai festzumachen, bei Seitenwind, der uns an den Kai drückt oder davon wegtreibt, bei Strömung… in allen Fällen handelte es sich stets um allgemeine Richtlinien: Jedes Manöver ist anders, selbst wenn es auf demselben Boot und am selben Ort durchgeführt wird.
Daher ist es unerlässlich, die Situationen nicht nur technisch, sondern auch mental bewältigen zu können und die richtigen Strategien zu wählen, um Stress zu reduzieren und folglich einen klaren Kopf zu bewahren und somit die Fehlerwahrscheinlichkeit zu minimieren.
Tipps für ein fehlerfreies Anlegemanöver: Alles im Voraus vorbereiten
Die wichtigste Regel, von der sich alle anderen Überlegungen ableiten, betrifft die Notwendigkeit der Vorbereitung: Das Boot, mit dem man manövriert, und den Liegeplatz kennen, die Ausrüstung vorbereiten und sicherstellen, dass die Crew bereit und vorbereitet ist. Wenn möglich, sollte man außerdem immer die einfachste Lösung wählen, ohne zu improvisieren, und sicher sein, dass alles in Ruhe vorbereitet wurde: Diese Vorsichtsmaßnahmen machen unseren Ansatz viel selbstsicherer und reduzieren dadurch das Angstniveau.
Ob Segel- oder Motorboot – sofern es sich nicht um das eigene, langjährige Boot handelt –, muss vor dem Manövrieren zum Kai des Yachthafens geprüft werden, wie das Boot reagiert, und seine Bewegungen in engen Gewässern müssen beurteilt werden: wie es die Fahrt aus dem Schiff nimmt und welchen Radeffekt der Propeller bei Rückwärtsfahrt erzeugt. Bei einer 180-Grad-Wende muss zudem beurteilt werden, wie es bei langsamer Fahrt beidreht, wie es auf Rückwärts- und Vorwärtsschübe reagiert, während man versucht, es um die eigene Achse zu drehen, und welche Wirkung Seitenwind auf das Überwasserschiff hat.
Die Bedeutung eines ordentlichen Bootes für stressfreies Anlegen
In einer Liste von Tipps für ein fehlerfreies Anlegemanöver darf der Faktor Ordnung nicht vernachlässigt werden: Das Deck muss frei von potenziellen Gefahren wie Handtüchern, Gläsern, Sonnencreme-Verpackungen und After-Sun-Lotionen sein. Im Cockpit ist es sehr nützlich, ein tragbares VHF-Funkgerät zu haben, um mit dem Yachthafen zu kommunizieren, Anweisungen zu erhalten und gegebenenfalls Unterstützung anzufordern. Alles, was an der Reling hängt, sollte aus mehreren Gründen entfernt werden: Es besteht die Gefahr, dass es durch die Muringleinen verschmutzt wird, es ist sicherlich nicht schicklich, mit aufgehängter Unterwäsche zum Anlegen zu erscheinen, und zudem bietet alles Aufgehängte dem Wind Widerstand und erhöht somit die Abdrift. Daher ist es wichtig, bei Wind Bimini und Sprayhood zu schließen, da diese auch die Sicht einschränken.
Es ist unerlässlich, den Ort zu kennen, an dem man manövriert. Hierfür gibt es Hafenhandbücher, man kann eine schnelle Internetrecherche durchführen oder den Yachthafen direkt kontaktieren (um unseren Yachthafen in Genua zu kontaktieren, besuchen Sie unsere Seite Kontakt). Basierend auf den Wetterbedingungen sollten wir, wenn wir die Wahl haben, versuchen, einen Luv-Kai anzusteuern, wobei der Wind so wenig wie möglich von der Seite wehen sollte.
Tipps für ein fehlerfreies Anlegemanöver: Klarheit und Einsatzbereitschaft
Unter den Tipps für ein fehlerfreies Anlegemanöver muss einer der Besatzung gewidmet sein, die bereit sein muss, den Befehlen des Kapitäns zu folgen. Dabei ist jedoch zu beachten, dass ein Skipper, wenn er nicht gut vorbereitet ist, Verwirrung und widersprüchliche Befehle verursachen kann. Zuerst ist es daher notwendig, die Personen zu identifizieren, die in der Lage sind, Befehle korrekt auszuführen. Zudem muss man in der Lage sein, vor der Hafeneinfahrt detailliert zu erklären, welche Position jedes Besatzungsmitglied einnehmen soll und welche genauen Rollen sie haben. Falls erforderlich, müssen die einzunehmenden Positionen und die Aufgaben durch Simulation der Bewegungen konkret gezeigt werden. Wenn es dann zur Tat geht, müssen wir klare Befehle in der richtigen Reihenfolge geben und deutlich machen, wer was zu tun hat. Auch Gäste an Bord sollten als Teil der Besatzung betrachtet werden; in den wenigen Minuten von der Hafeneinfahrt bis zum Anlegen am Kai dürfen sie nicht auf dem Deck umherlaufen, die Sicht versperren und so Verwirrung stiften. Nicht aktiven Gästen wird daher empfohlen, im Cockpit oder unter Deck sitzen zu bleiben.
Schließlich ist es wichtig, sich selbst vorzubereiten. Nur Dumme ändern ihre Meinung nicht, aber ein Manöver im letzten Moment zu ändern, besonders bei Wind, ist nie die beste Option. Die Karten müssen also gut studiert werden, und man muss in seinem Kopf die Abfolge der Aktionen klar definieren, angefangen bei der Annäherung an den Liegeplatz, über die Nutzung des Propellereffekts, die Bekämpfung der Windeinwirkung bis hin zu der Entscheidung, welche Leine zuerst an Land gegeben oder genommen werden soll.
Sobald alles klar ist, sowohl für den Skipper als auch für die Crew und die Gäste, bleibt nur noch, die Hilfe der Profis an Land anzunehmen und nicht zu vergessen, dass die Verantwortung für die Durchführung des Manövers und das Treffen von Entscheidungen nicht unterschätzt werden darf.
FAQ zu den Tipps für ein fehlerfreies Anlegemanöver
1) Welche Kontrollen sollten vor Beginn des Anlegemanövers durchgeführt werden?
Vor dem Anlegemanöver, und somit noch vor der Einfahrt in einen Yachthafen, ist es unerlässlich, Wind, Strömung, verfügbaren Platz und die Position der anderen Boote zu prüfen. Die rechtzeitige Vorbereitung von Leinen und Fendern ermöglicht schnelles Handeln, reduziert Fehler und sorgt für eine sicherere und präzisere Einfahrt in den Liegeplatz.
2) Was ist die richtige Geschwindigkeit beim Anlegen?
Die ideale Geschwindigkeit ist bereits bei der Einfahrt in den Yachthafen sehr gering; in der Nähe des Liegeplatzes muss sie niedrig genug sein, um Manövrierfähigkeit und Kurs beizubehalten, ohne die Kontrolle zu verlieren. Eine zu hohe Geschwindigkeit erhöht das Kollisionsrisiko, während ein langsames und schrittweises Annähern einfachere Korrekturen und ein saubereres Abschlussmanöver ermöglicht.
3) Wie wichtig ist die Kommunikation zwischen den Besatzungsmitgliedern?
Eine gute Kommunikation ist für ein präzises Anlegen unerlässlich. Jedes Mitglied muss seine Aufgabe im Voraus kennen, wissen, wie Leinen oder Fender zu handhaben sind und wann eingegriffen werden muss. Klare und kurze Befehle vermeiden Verwirrung, Verzögerungen und plötzliche Bewegungen in den kritischsten Phasen.
4) Was ist der häufigste Fehler, den man beim Anlegen vermeiden sollte?
Einer der häufigsten Fehler ist es, das Manöver in Eile oder ohne Vorbereitung anzugehen, die – wie im obigen Leitfaden beschrieben – rechtzeitig vor der Annäherung an den Liegeplatz erfolgen sollte. Das Versäumnis, Leinen bereitzulegen, den Wind nicht einzukalkulieren oder den Kurs abrupt zu korrigieren, kann die Einfahrt erschweren und zu mehr Stress, Kollisionsgefahr und Schwierigkeiten beim sicheren Festmachen des Bootes führen.
